Sieben Social Media Fehler, die wir bei Unternehmen immer wieder sehen
Wir sehen sehr viele Unternehmensprofile, bevor wir mit jemandem arbeiten. Die Schwächen ähneln sich stark, unabhängig von Branche und Größe. Sieben Muster tauchen dabei so regelmäßig auf, dass wir sie hier zusammengefasst haben, samt der Korrektur, die im Alltag umsetzbar ist.
1. Es fehlt ein Ziel
Auf die Frage, was der Kanal leisten soll, kommt oft die Antwort, man wolle präsent sein. Präsenz ist kein Ziel, weil sich daraus keine Entscheidung ableiten lässt. Sinnvolle Ziele sind Anfragen für eine bestimmte Leistung, Bewerbungen, Bekanntheit in einer bestimmten Region oder Entlastung des Vertriebs.
Die Korrektur ist unspektakulär. Ein Satz, auf den sich Geschäftsführung und Marketing einigen, und drei Themenfelder, die darauf einzahlen.
2. Zu viele Plattformen
Instagram, Facebook, LinkedIn, TikTok, YouTube, dazu vielleicht Pinterest. Bei begrenzten Ressourcen führt das zu überall wenig. Jede Plattform hat eigene Erwartungen an Format, Sprache und Frequenz.
Die Korrektur besteht darin, zwei Kanäle zu wählen, auf denen die Zielgruppe wirklich ist, und die übrigen entweder ruhen zu lassen oder klar als Archiv zu kennzeichnen. Ein gepflegtes Profil ist besser als fünf verwaiste.
3. Unregelmäßiger Content
Drei Beiträge in einer Woche, dann sechs Wochen nichts. Dieses Muster entsteht fast immer aus Zeitmangel und nicht aus Absicht. Für die Wahrnehmung ist es ungünstig, weil Vertrauen über Wiederholung entsteht.
Realistisch planen heißt, die Frequenz an der schlechtesten Woche auszurichten, nicht an der besten. Ein Beitrag pro Woche über zwölf Monate wirkt stärker als zwanzig Beiträge im Frühling.
Wenn Sie unsicher sind, welche Frequenz Sie durchhalten, halbieren Sie Ihre erste Schätzung. Diese Zahl ist meistens die richtige.
4. Keine Gesichter
Viele Profile zeigen ausschließlich Produkte, Gebäude oder Grafiken. Das ist verständlich, weil es weniger Abstimmung erfordert. Es kostet aber genau den Vorteil, den kleinere Unternehmen gegenüber großen haben. Nähe.
Die Korrektur muss nicht groß sein. Eine Person, die eine Frage beantwortet. Ein kurzer Blick in die Werkstatt. Ein Teammitglied, das erklärt, worauf es bei einem Detail ankommt. Solche Inhalte bleiben hängen.
5. Kein Video
Video ist auf allen relevanten Plattformen das Format mit der besten Verbreitung. Trotzdem beschränken sich viele Unternehmen auf Bilder, oft aus Sorge vor Aufwand oder wegen unsicherer Erfahrungen.
Der Einstieg gelingt am einfachsten über kurze, erklärende Videos ohne Inszenierung. Gute Tonqualität, ruhige Umgebung, eine klare Aussage. Aus einem Produktionstag entstehen genug Aufnahmen für mehrere Wochen.
6. Keine Auswertung
Wenn niemand hinschaut, wiederholen sich Fehler. Auswertung bedeutet nicht Dashboard und Wochenreport. Es reicht, einmal im Monat zwanzig Minuten zu investieren und drei Fragen zu beantworten. Welche Beiträge wurden gespeichert oder geteilt, woher kamen Anfragen, welches Thema hat am wenigsten funktioniert.
Aus diesen drei Antworten entsteht die Themenliste für den Folgemonat. Das ist der einfachste Weg, Inhalte laufend zu verbessern.
7. Kein klarer nächster Schritt
Ein gutes Video endet, und dann passiert nichts. Kein Hinweis, wohin man sich wenden kann, kein Link, keine Einladung zum Gespräch. Interessenten, die kurz Interesse hatten, scrollen weiter.
Der nächste Schritt muss zur Situation passen. Bei erklärenden Inhalten reicht ein Hinweis auf weiterführende Informationen. Bei kaufnahen Themen gehört eine konkrete Möglichkeit zur Kontaktaufnahme dazu, und zwar so, dass sie in zwei Klicks erreichbar ist.
Was diese Fehler gemeinsam haben
Keiner davon ist ein Qualitätsproblem im engeren Sinn. Es sind Strukturprobleme. Sie entstehen, weil Social Media in vielen Unternehmen zwischen den Aufgaben läuft und niemand die Verantwortung für das Ganze trägt. Sobald jemand diese Verantwortung übernimmt, lösen sich mehrere Punkte gleichzeitig.
Wie sich diese Punkte in drei Monaten korrigieren lassen
Alle sieben Punkte gleichzeitig anzugehen führt zu Überforderung. Wir arbeiten in Erstprojekten deshalb mit einer einfachen Reihenfolge über ein Quartal.
Erster Monat
Ziel festlegen, Kanäle reduzieren, drei Themenfelder definieren. In dieser Phase entsteht kein neuer Content, sondern Klarheit. Zusätzlich wird geprüft, welche vorhandenen Inhalte weiterverwendet werden können.
Zweiter Monat
Produktion aufsetzen. Ein Drehtag, aus dem mehrere Wochen bespielt werden, und ein Redaktionsplan, der die Frequenz realistisch abbildet. Hier entscheidet sich, ob Kontinuität möglich wird.
Dritter Monat
Auswertung und nächster Schritt. Welche Inhalte wurden gespeichert, woher kamen Anfragen, welche Zielseiten funktionieren. Daraus entsteht die Planung für das nächste Quartal.
Was sich messbar verändert, wenn die Struktur stimmt
Die erste sichtbare Veränderung ist selten die Reichweite. Zuerst verändert sich die Art der Rückmeldungen. Anfragen werden konkreter, weil Interessenten bereits wissen, wie gearbeitet wird. Gespräche starten auf einem höheren Informationsstand. Der Vertrieb muss weniger erklären.
Danach folgen die Zahlen. Mehr Profilaufrufe, mehr Speicherungen, längere Verweildauer auf den Zielseiten. Diese Reihenfolge ist wichtig zu wissen, weil viele Unternehmen zu früh aufgeben, wenn die Reichweite in den ersten Wochen nicht steigt.
Eine kurze Selbstprüfung
- Können Sie in einem Satz sagen, was Ihr Kanal erreichen soll
- Erscheinen Inhalte auch in arbeitsintensiven Wochen
- Sieht man auf Ihrem Profil Menschen aus dem Unternehmen
- Gibt es Videoinhalte aus den letzten drei Monaten
- Wissen Sie, welcher Beitrag zuletzt zu einer Anfrage geführt hat
- Ist der nächste Schritt für Interessenten in zwei Klicks erreichbar
Wer hier vier oder mehr Fragen mit Nein beantwortet, hat kein Contentproblem, sondern ein Strukturproblem. Das ist die bessere Nachricht, weil Struktur schneller herzustellen ist als Reichweite.
Der praktische Schluss
Nehmen Sie sich nicht alle sieben Punkte vor. Wählen Sie zwei, die auf Ihr Unternehmen am stärksten zutreffen, und arbeiten Sie drei Monate daran. In den meisten Fällen sind das ein klares Ziel und eine realistische Frequenz. Alles Weitere wird dadurch einfacher.
Wenn Sie die Umsetzung abgeben möchten, finden Sie die Bausteine unter Social Media Betreuung. Für die Frage nach interner oder externer Lösung hilft der Vergleich selbst machen oder Agentur beauftragen.